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Reparatur – Trendthema bei den Nürnberger Kolloquien zur Kanalsanierung im September 2014 von Verbund IQ

Auf den diesjährigen Nürnberger Kolloquien zur Kanalsanierung standen Reparaturverfahren im Fokus. Am 25. September hatten Planer, Ingenieure und Entscheidungsträger aus Industrie und Verwaltung die Möglichkeit, sich über den aktuellen Sachstand der Reparatur zu informieren. So wurden verschiedene Sanierungsstrategien und Reparaturverfahren grundlegend aufgezeigt und mit konkreten Erfahrungen der Stadtentwässerungsbetriebe Köln aus Sicht eines großen Kanalnetzbetreibers untersetzt. Anwender und Hersteller gaben praktische Einblicke in Anwendungsgebiete und -grenzen von Injektionsverfahren, Kurzliner, Innenmanschetten und Robotertechniken.

Reparaturverfahren kommen häufig zum Einsatz, um lokale Schäden im Kanalnetz schnell und günstig zu beheben. Die Verbund IQ gGmbH griff das Thema für die diesjährigen Nürnberger Kolloquien zur Kanalsanierung auf. Das Interesse an der Veranstaltung war entsprechend groß: Im Gemeinschaftshaus Langwasser informierten sich am 25. September 2014 rund 260 Teilnehmer über aktuelle Entwicklungen und Regelwerksgrundlagen der verschiedenen Reparaturtechniken. Experten gaben ihr Wissen und ihre Erfahrungen bezüglich Planung, Normenwerk und Ausschreibung der Verfahren in Form von Fachvorträgen weiter. Die begleitende Hausmesse ermöglichte den Austausch im Netzwerk.

Reparaturverfahren: Sachstand, Normung, Regelungen
Für die große Anzahl an Reparaturtechniken gibt es bereits diverse Merkblätter der DWA sowie zusätzliche technische Vertragsbedingungen (ZTV), die derzeit in das Regelwerk der DWA überführt werden. Eine Norm zur Regelung der einzelnen Verfahren ist in Arbeit. Mario Heinlein, Stadtentwässerung und Umweltanalytik Nürnberg, gab deshalb einen Überblick über die gängigsten Reparaturverfahren und deren bisherigen normativen Stand. So klassifiziert die Norm DIN EN 15885 die verschiedenen Sanierungstechniken, bleibt aber eine tiefgehende, detaillierte Regelung der verschiedenen Verfahren schuldig. Seiner Ansicht nach hängen der Erfolg und die Nutzungsdauer der Reparaturverfahren von der Einhaltung der jeweiligen bauaufsichtlichen Zulassung ab. "Die Reparatur ist ein gängiges Instrument der Kanalsanierung, das durchaus sehr gute Ergebnisse erzielt. Wer die Verfahren anwendet, muss allerdings deren Anwendungsbereich kennen und einhalten", so Heinlein. Eine Harmonisierung der bestehenden Regelwerke unterschiedlicher Institutionen ist deshalb der nächste sinnvolle Schritt.

Verfahren wie Kurzliner, Injektion, Innenmanschette oder Robotertechnik, die Heinlein kurz vorstellte, wurden von den nachfolgenden Referenten jeweils um praktische Erläuterungen ergänzt. Bei allen Verfahren gilt: Eine dauerhafte Reparatur ist nur dann möglich, wenn alle Herstellerangaben zu den Materialien beachtet werden und der Untergrund entsprechend vorbereitet wurde. So kommt es bei Kurzlinern immer wieder zu Mängeln, wenn Harzkomponenten im falschen Verhältnis gemischt werden. Auch ein nicht ausreichend langer oder ein schlecht positionierter Liner wirken sich negativ auf die Nutzungsdauer aus. Der Einsatz von Innenmanschetten wird durch Faktoren wie Schachtdurchmesser und Rohrform begrenzt. Richtig angewendet beheben solche Manschetten effizient Längs- und Radialrisse. Seit über 20 Jahren kommen standardmäßig auch Roboter zum Einsatz, denn die sind besonders flexibel: Fräsen, spachteln und verpressen kann getrennt voneinander stattfinden. Aus nur einem Startschacht heraus werden Arbeiten mit einer Reichweite von bis zu 140 Meter durchgeführt.

Kontinuierliche Qualitätskontrolle als Erfolgsfaktor der Reparatur
Karl Elis von den Stadtentwässerungsbetrieben Köln (StEB), bestätigt den vermehrten Einsatz von Robotertechnik. Im rund 2.500 Kilometer langen Kanalnetz werden in Köln die meisten Schäden mit Robotertechnik behoben. So kann die Funktionsfähigkeit der öffentlichen Kanäle schnell und effizient wiederhergestellt werden. Die Referenten von Anwender- und Herstellerseite des diesjährigen Kolloquiums zur Kanalsanierung waren Partner der StEB, die an der Durchführung der Reparaturarbeiten in Köln beteiligt sind. Elis macht die Bedeutung dieser Verfahren für Kanalnetzbetreiber deutlich: "Reparaturen sind nicht mehr wegzudenken. In Köln führen wir jährlich auf rund 60 Kilometern Reparaturen durch." Dabei ist es besonders wichtig, nicht stur einer Sanierungsstrategie zu folgen, erklärt Elis weiter: "Das Kanalnetz in Köln ist sehr unterschiedlich. Wir dürfen nicht nur schwarz-weiß denken, sondern müssen an jeden Fall individuell herangehen."

Vor der eigentlichen Reparaturmaßnahme steht aber immer die Planung. Andreas Beuntner, Büroleiter von Ingutis in München, analysiert deshalb in seinem Vortrag, welche Aufgaben Ingenieure und Planer bei der Reparatur von Kanälen konkret haben: Von der ersten Inspektion bis zur Qualitätskontrolle nach Abschluss der Reparatur ist Fachwissen gefragt. Das trifft laut Beuntner besonders bei der Planung, Ausschreibung und Vergabe der anfallenden Arbeiten zu: "Die Ausschreibung ist das Fundament für die spätere Ausführung der Reparatur und vor allem das Fundament für die Überprüfung ihrer Qualität." Eine professionelle Ausschreibung, erfolgt aber nur dann, wenn der Schaden nach der Inspektion fachgerecht ausgewertet, eine technisch und wirtschaftlich gute Sanierungslösung gewählt und das vorgesehene Reparaturverfahren ordentlich geplant wurde. Dafür empfiehlt Beuntner ein strukturiertes Vorgehen mit Hilfe von Arbeitslisten, Baubeschreibungen und Lageplänen. So wird frühzeitig geklärt, ob beispielsweise Abwasser umgeleitet oder Straßenverkehr gesperrt werden muss. "Pauschalisierungen sollte man in einer Ausschreibung vermeiden. Je präziser die notwenigen Arbeiten beschrieben werden, desto besser können Angebote von Firmen kalkuliert und Bauausführungen umgesetzt werden", so Beuntner weiter.



Über die Nürnberger Kolloquien zur Kanalsanierung
Die Nürnberger Kolloquien zur Kanalsanierung finden jährlich als Fachtagung für Bauingenieure, Techniker und Entscheidungsträger aus Kommunen, Behörden, Unternehmen und Industrie statt. Veranstalter ist die Verbund IQ gGmbH, Partner sind die Technisches Hochschule Nürnberg, die Stadtentwässerung und Umweltanalytik Nürnberg, der Güteschutz Kanalbau und der Rohrsanierungsverband. Die nächsten Nürnberger Kolloquien sind bereits für den 24. September 2015 terminiert.

Weitere Informationen: www.kanalsanierung-weiterbildung.de

Ansprechpartner
Dr. Ursula Baumeister
Verbund IQ gGmbH
Dürrenhofstraße 4
90402 Nürnberg
Telefon 0911 424599-0
Fax 0911 424599-50
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